Das Bildnis des Zeus

260 km suedlich von Athen, an der Westkueste Griechenlands, befand sich in der antiken Stadt Olympia ein weiteres Weltwunder, die Statue des Zeus. Seit 776 v. u. Z. wurden in Olympia sportliche Wettkaempfe zu Ehren des Zeus, dem Koenig der Goetter, abgehalten, die Olympischen Spiele. Entgegen dem heute ueblichen Verstaendnis wurde der Zeitraum zwischen zwei Spielen "Olympiade" genannt. Im Laufe von drei Jahrhunderten wurden die Spiele von Olympia zu den bedeutendsten panhellenischen Spielen, welche die besten Athleten Griechenlands und Tausende von Zuschauern anzogen. Olympia war zum obersten Heiligtum der Zeus-Anbetung geworden. Um 470 v. u. Z. erging in Griechenland ein Spendenaufruf, um Zeus einen Tempel zu erbauen, der groesser und prachtvoller als jeder Tempel zuvor werden sollte; 457 v. u. Z. wurde der Tempel dann fertiggestellt.
Auf einem kuenstlichen Huegel wurde der 64 m x 27 m grosse Unterbau errichtet, der heute noch fast vollstaendig erhalten ist. Darauf befanden sich 34 Saeulen aus Muschelkalk, 10, 53 m hoch, die das aus Marmorplatten bestehende Dach trugen. Im Mittelpunkt des Tempels befand sich die Cella, der Kultraum, mit der Statue des Zeus, das einzige Weltwunder, das nicht unter freiem Himmel stand. Damit der bekannte Bildhauer Phidias diese Statue erschaffen konnte, wurde in einem Atelier, das sich 80 m vom Tempel entfernt befand, die Cella nachgebaut.

Phidias errichtete zunaechst ein Geruest aus Eisen,
Holz und Gips, das in etwa der Statue entsprach.
Dann wurden die unbekleideten Koerperteile
(Gesicht, Arme, Haende, Fuesse) mit modelliertem
Elfenbein beschichtet, Haare, Gewand und
Elfenbein beschichtet, Haare, Gewand und Sandalen
waren aus Gold. Berechnungen anhand anderer
Statuen lassen vermuten, dass die Geldauflage ca.
200 kg schwer war, nach heutigem Preis ca. 6 Mio.
DM wert. Die Augen bestanden vermutlich aus
faustgrossen Edelsteinen, wobei die Statue insgesamt 12 m hoch war. Nach der Fertigstellung wurde die Statue in Einzelheiten zerlegt in die Cella gebracht und dort zusammengesetzt.
Die Statue des Zeus sass auf einem Armsessel mit hoher Ruecklehne. In der linken hielt er ein Zepter als Zeichen seiner Macht auf dessen Knauf ein Adler, sein heiliger Bote, sass. Auf der rechten offenen Hand stand Nike, die gefluegelte Siegesgoettin, die spaeter vom Christentum als Engel uebernommen wurde. Der Kopf war mit Oelzweigen geschmueckt, wie ihn nur die Sieger erhielten. Zeus' Fuesse ruhten auf einem Schemel, der von zwei Loewen getragen wurde und die Inschrift "Phidias, Sohn des Charmides aus Athen, hat mich geschaffen" trug.
Nahezu 1200 Jahre lang wurden die Olymischen Spiele veranstaltet, bis diese im Jahre 393 u. Z. durch Kaiser Theodosius verboten wurden, der sie als heidnischen Kult ansah. Was aus der Statue wurde ist ungewiss, auf alle Faelle wurde sie im 2. Jahrhunder u. Z. bei einem Erdbeben schwer beschaedigt. Ueber ihr Ende gibt es zwei Versionen: die eine besagt, dass sie um 350 u. Z. von Pluenderern zerstoert wurde, die andere, dass sie 475 u. Z. nach Konstantinopel geschafft wurde und dort einem Brand zum Opfer fiel.
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